Blähbauch, häufiges Aufstoßen, Völlegefühl, Bauchschmerzen oder hartnäckige Verstopfung können den Alltag erheblich belasten. Besonders frustrierend ist es, wenn Magen- und Darmspiegelung keine erklärenden Befunde zeigen und die Beschwerden dennoch bestehen bleiben.
Hinter solchen Symptomen kann eine Dünndarmfehlbesiedlung stecken, kurz SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth). In diesem Beitrag erklärt Dr. med. Anna Müller, Fachärztin für Innere Medizin in der Praxis Schleicher in München, was SIBO ist, wie ein Laktulose-Atemtest abläuft und warum bei der Behandlung auch mögliche Ursachen berücksichtigt werden sollten.
Im Dünndarm befinden sich normalerweise deutlich weniger Mikroorganismen als im Dickdarm. Bei SIBO ist die Zahl oder Zusammensetzung der Bakterien im Dünndarm verändert. Dadurch können vor allem Kohlenhydrate bereits dort vermehrt vergoren werden. Dabei entstehen Gase, die Blähungen, Druckgefühl, Völlegefühl und Schmerzen auslösen können.
Je nach Befund werden in der Ausatemluft vor allem Wasserstoff oder Methan gemessen. Methan wird von sogenannten Methanogenen gebildet. Erhöhte Methanwerte werden heute häufig als intestinale Methanogen-Überwucherung (IMO) bezeichnet und können mit einer verlangsamten Darmpassage sowie Verstopfung verbunden sein.
Mögliche Beschwerden sind:
Diese Symptome sind nicht spezifisch für SIBO und können viele andere Ursachen haben. Deshalb sollte die Diagnose nicht allein anhand der Beschwerden gestellt werden. Auch eine unauffällige Magen- oder Darmspiegelung beantwortet die Frage nach einer Dünndarmfehlbesiedlung nicht automatisch.
Nach mehreren Jahren in verschiedenen internistischen Krankenhausabteilungen und in der hausärztlichen Versorgung habe ich immer wieder Patientinnen und Patienten erlebt, denen es trotz unauffälliger gastroenterologischer Befunde schlecht ging. Der Leidensdruck war groß, doch eine schlüssige Erklärung fehlte häufig.
Im Laufe der Zeit habe ich mich deshalb intensiv mit SIBO, funktioneller Medizin und ganzheitlichen Behandlungsansätzen beschäftigt. Dabei wurde deutlich, wie wichtig eine sorgfältige Einordnung der Beschwerden ist. Das hat mich dazu bewogen, die Diagnostik und Begleitung bei Dünndarmfehlbesiedlung als einen Schwerpunkt meiner Arbeit auszubauen.
Der Laktulose-Atemtest ist eine gängige, nicht-invasive Untersuchungsmöglichkeit. Dabei trinken Patientinnen und Patienten eine Laktulose-Lösung und geben anschließend in festgelegten Abständen Atemproben ab. Gemessen werden insbesondere Wasserstoff und Methan.
Der zeitliche Verlauf dieser Gase kann Hinweise auf eine Fehlbesiedlung geben. Entscheidend ist jedoch, das Atemtestergebnis immer gemeinsam mit den Beschwerden, der Vorgeschichte und möglichen Risikofaktoren zu beurteilen. Ein Atemtest ersetzt keine ärztliche Gesamteinschätzung.
Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden, dem Atemtestprofil und der individuellen Vorgeschichte. Je nach Befund können eine ärztlich gesteuerte Antibiotikatherapie oder – im Rahmen eines integrativen Konzepts – ausgewählte pflanzliche Wirkstoffe zum Einsatz kommen.
Ebenso wichtig ist der Blick auf mögliche begünstigende Faktoren, zum Beispiel:
Werden solche Faktoren nicht mitberücksichtigt, können Beschwerden nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung erneut auftreten. Ziel ist deshalb nicht nur die kurzfristige Behandlung der Fehlbesiedlung, sondern eine möglichst nachhaltige Stabilisierung der Verdauungsfunktion.
Gemeinsam betrachten wir das Gesamtbild: Ihre Beschwerden, die persönliche Vorgeschichte, das Atemtestergebnis, mögliche Auslöser und Faktoren, die die Darmbewegung oder das bakterielle Gleichgewicht beeinflussen können. Je nach Situation verbinden wir schulmedizinische Diagnostik und Therapie mit einem ganzheitlichen und naturheilkundlichen Ansatz.
Ziel ist nicht allein die kurzfristige Linderung von Blähbauch, Völlegefühl oder Verstopfung, sondern eine stabile, langfristige Verbesserung der Darmgesundheit.
Wenn Sie sich in diesen Beschwerden wiedererkennen und eine ärztliche Abklärung wünschen, sprechen Sie mich gerne an.
Herzliche Grüße
Ihre Dr. med. Anna Müller