Viele meiner Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen kennen das: Man hat schon vieles versucht und sucht trotzdem weiter. Die nächste Untersuchung, das nächste Supplement, eine neue Therapie, von der man gehört hat. Das ist verständlich, wenn man krank ist und wieder gesund werden möchte. In der Praxis erlebe ich aber immer wieder, dass der Körper an einem bestimmten Punkt nicht noch mehr braucht, sondern weniger: weniger Reize, weniger Druck und weniger das Gefühl, ständig an sich arbeiten zu müssen.
Warum bei Erschöpfung „mehr“ schnell zu viel ist
Bei ME/CFS, Post-Covid, chronischer Erschöpfung oder einem Mastzellaktivierungssyndrom können Belastungen und Reize sehr unterschiedlich vertragen werden. Was für Gesunde eine kleine Anstrengung ist, kann hier schon zu viel sein. Das gilt auch für gut gemeinte Unterstützung. Die ständige Suche nach weiteren Möglichkeiten kann zusätzlich anstrengend sein.
Damit will ich Medikamente, Supplemente und gezielte Therapien nicht kleinreden. Sie haben ihren Platz, und ich setze sie in meiner Praxis jeden Tag ein. Aber nicht alles, was im Alltag entlastet, lässt sich durch ein weiteres Präparat ersetzen. Oft sind es die einfachen Dinge: ein möglichst erholsamer Schlaf, ein verlässlicher Tagesrhythmus, Pausen, die man sich wirklich erlaubt, Tageslicht und frische Luft, regelmäßiges, verträgliches Essen und Bewegung nur in dem Maß, das der Körper gerade verträgt. Dazu kommen Stille, Meditation und Verbindung zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu Gott.
Gerade bei ME/CFS und bei Post-Covid mit Belastungsintoleranz gilt: die eigenen Belastungsgrenzen achten und eine Verschlechterung nach Anstrengung, auch zeitverzögert, ernst nehmen. Auch Zuhören oder Meditieren kann anstrengend sein. Es geht nicht darum, die Aktivität schrittweise zu steigern oder Beschwerden zu übergehen.
Das klingt unspektakulär und wird gerade deshalb oft unterschätzt. Sicherheit, Vorhersehbarkeit und individuell passende Pausen können es leichter machen, zur Ruhe zu kommen. Daraus folgt nicht, dass chronische Erkrankungen psychisch verursacht sind oder sich allein durch Entspannung behandeln lassen.
Warum ich Meditationen traumasensibel gestalte
Ich habe eine Ausbildung im traumasensiblen Coaching bei Verena König und in systemischer Aufstellungsarbeit bei Dr. Holm von Egidy gemacht, dazu eine Zusatzausbildung in Traumaaufstellung. Das prägt, wie ich Meditationen, Heilreisen und Visualisierungen aufbaue.
Viele Anleitungen gehen davon aus, dass sich jeder entspannt, sobald er die Augen schließt. Das stimmt nicht. Manchen Menschen ist es unangenehm, die Augen zu schließen. Andere reagieren auf bestimmte innere Bilder oder auf die Aufforderung, tief in den Körper hineinzuspüren, eher mit Anspannung als mit Ruhe. Deshalb lasse ich in meinen Meditationen immer die Wahl. Du kannst die Augen schließen oder offen lassen. Du kannst der Anleitung folgen, sie abwandeln oder jederzeit aufhören. Du musst nichts fühlen, nichts loslassen und nichts erreichen.
Traumasensibel heißt für mich vor allem, dass jeder selbst bestimmt, was gerade geht, und dass kein zusätzlicher Druck entsteht.
Entspannung lässt sich nicht erzwingen
Man kann sich nicht befehlen, entspannt zu sein, und Heilung lässt sich nicht erzwingen. Man kann aber versuchen, im Alltag mehr Raum für Entlastung zu schaffen. Bei chronischer Erschöpfung heißt das nicht, sich noch mehr anzustrengen, und auch nicht, besonders gut zu meditieren. Oft fängt es klein an: mit einem bewussten Atemzug, ein paar Minuten am Fenster oder einer Weile Stille, soweit das gerade angenehm und möglich ist. Wenn Entspannung nicht gelingt, ist das kein persönliches Versagen.
Meditation ersetzt keine notwendige medizinische Behandlung. Sie kann für manche Menschen eine hilfreiche Ergänzung sein und dabei unterstützen, Anspannung wahrzunehmen und behutsam mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Ob sie guttut, ist individuell.
Meine erste Meditation für dich, kostenfrei
Deshalb habe ich eine Meditation aufgenommen, die du kostenlos anhören kannst. Sie ist der Auftakt einer kleinen Serie und richtet sich an Menschen, die erschöpft sind, viel tragen oder das Gefühl haben, immer funktionieren zu müssen. Du musst darin nichts verändern. Müdigkeit, Unruhe, Zweifel oder Traurigkeit dürfen einfach mit dabei sein.
Vielleicht ist das für heute schon genug: dir eine kurze Zeit zu nehmen, in der du nichts tun musst.
