Termin
online buchen
Doctolib
Long Covid, Post Covid und Post Vac - Praxis Schleicher in München

Long Covid, Post Covid und Post Vac - ein immunologischer Blick auf mögliche Ursachen

In den letzten Jahren haben sich in der medizinischen Praxis zunehmend Patientinnen und Patienten vorgestellt, die auch Monate nach einer Covid-Infektion oder nach einer Impfung über anhaltende Beschwerden berichten. Diese reichen von chronischer Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Belastungsintoleranz bis hin zu Muskel- und Gelenkschmerzen, neurologischen Symptomen oder Kreislaufproblemen. Die Begriffe Post-Covid, Long-Covid und Post-Vac-Syndrom beschreiben unterschiedliche Konstellationen solcher anhaltenden Beschwerden.

Während die klinischen Symptome inzwischen gut beschrieben sind, ist die zugrunde liegende Pathophysiologie noch Gegenstand intensiver Forschung. Ein möglicher immunologischer Mechanismus, der auch in der Praxis Schleicher in München zunehmend Beachtung findet, betrifft die starke Aktivierung und Prägung des humoralen Immunsystems, insbesondere der B-Zellen.

Immunologische Hintergründe: Wenn das Immunsystem zu stark reagiert

Bei einer Infektion oder Impfung wird das Immunsystem darauf trainiert, den Erreger wiederzuerkennen. B-Zellen produzieren dabei Antikörper, die spezifisch an Bestandteile des Virus binden. Dieses Prinzip ist grundsätzlich erwünscht und schützt vor schweren Krankheitsverläufen.

Bei manchen Menschen scheint jedoch eine besonders starke immunologische Prägung der B-Zellen stattzufinden. In der Folge kann es bei erneutem Kontakt mit viralen Antigenen - etwa bei einer späteren Infektion - zu einer sehr intensiven Antikörperproduktion kommen.

Diese Antikörper binden an Virusbestandteile oder Antigenfragmente und bilden sogenannte Immunkomplexe.

Folgen einer erhöhten Immunkomplexbelastung bei Long Covid

Unter normalen Umständen werden solche Immunkomplexe effizient durch das Immunsystem entfernt. Dabei spielen vor allem das Komplementsystem, Makrophagen sowie die Filterfunktion von Leber und Milz eine wichtige Rolle.

Wenn jedoch sehr große Mengen an Immunkomplexen entstehen, kann das physiologische Entsorgungssystem überlastet werden.

Bleiben Immunkomplexe im Körper bestehen, können sie sich in kleineren Gefäßen oder Geweben ablagern. Dadurch können verschiedene Prozesse ausgelöst werden:

  • Mikroentzündungen im Gewebe
  • Aktivierung des Komplementsystems
  • Reizung von Endothelzellen
  • Mikrozirkulationsstörungen

Gerade die kleinen Gefäße und Kapillaren sind empfindlich gegenüber solchen Prozessen. Eine gestörte Mikrodurchblutung kann wiederum erklären, warum viele Betroffene Symptome entwickeln, die mehrere Organsysteme betreffen.

Typische Beschwerden bei Post-Covid, Long-Covid und Post-Vac

Die daraus resultierenden Beschwerden können sehr vielfältig sein und betreffen häufig mehrere Organsysteme gleichzeitig:

  • ausgeprägte Müdigkeit und Leistungseinbruch
  • Muskelschmerzen oder Gelenkbeschwerden
  • neurologische Symptome wie Konzentrationsprobleme („Brain Fog“)
  • Kreislaufregulationsstörungen
  • Belastungsintoleranz

Viele dieser Symptome lassen sich teilweise als Ausdruck einer chronischen niedriggradigen Entzündungsaktivität und einer gestörten Mikrozirkulation verstehen.

Therapeutische Überlegungen bei Long Covid in München

Aus dieser immunologischen Perspektive ergeben sich verschiedene therapeutische Ansätze. Ziel ist es, den Organismus dabei zu unterstützen, die Belastung durch Immunkomplexe zu reduzieren und gleichzeitig die Regulationsfähigkeit des Immunsystems zu verbessern.

Unterstützung der Ausleitungsorgane

Ein wichtiger Schritt besteht darin, die physiologischen Entgiftungs- und Ausscheidungswege zu unterstützen. Dazu gehören insbesondere Leber, Niere, Lymphsystem und Darm.

Verbesserung der Mikrozirkulation

Da viele Symptome mit einer gestörten Durchblutung im Bereich der kleinsten Gefäße zusammenhängen können, spielt die Förderung der Mikrozirkulation eine zentrale Rolle. Dies kann unter anderem durch bestimmte orale therapeutische Strategien erfolgen.

Aktivierung des angeborenen Immunsystems

Der Abbau von Immunkomplexen erfolgt wesentlich über Makrophagen, also Fresszellen des Immunsystems. Therapeutische Strategien können darauf abzielen, diese natürlichen Reinigungsmechanismen zu unterstützen.

Regulierung des oxidativen und metabolischen Milieus

Chronische Entzündungsprozesse gehen häufig mit einem erhöhten oxidativen Stress und einer Verschiebung des Stoffwechselmilieus einher. Infusionstherapien, die das Redoxsystem stabilisieren und den Stoffwechsel unterstützen, können hier eine wichtige Rolle spielen.

Systemische Regulationsverfahren

Ein weiterer Ansatz besteht darin, über spezielle Infusionstherapien die Sauerstoffversorgung des Gewebes zu verbessern und gleichzeitig immunmodulierende Effekte zu nutzen.

Förderung des natürlichen Abbaus von Immunkomplexen

Auch enzymatische Prozesse im Körper sind an der Auflösung und Beseitigung von Immunkomplexen beteiligt.

Therapeutischer Plasmaaustausch

In schweren oder therapieresistenten Fällen kann auch ein therapeutischer Plasmaaustausch in Betracht gezogen werden. Dabei werden zirkulierende entzündliche Faktoren und Immunkomplexe direkt aus dem Blut entfernt.

Ein integrativer Behandlungsansatz in der Praxis Schleicher in München

Die Behandlung von Post-Covid-, Long-Covid- oder Post-Vac-Syndromen erfordert in vielen Fällen ein individuell angepasstes Therapiekonzept. Entscheidend ist dabei, sowohl immunologische Prozesse als auch Stoffwechsel, Durchblutung und Regulationsmechanismen des Körpers zu berücksichtigen.

Ein integrativer Ansatz, der schulmedizinische Erkenntnisse mit regulativen und unterstützenden Therapien kombiniert, kann hier neue Perspektiven eröffnen.

Da die Forschung zu diesen Krankheitsbildern weiterhin in Entwicklung ist, bleibt eine offene und wissenschaftlich orientierte Herangehensweise besonders wichtig. Ziel jeder Therapie ist es letztlich, die Selbstregulationsfähigkeit des Organismus zu stärken und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Erholung zu schaffen.

Quellen

  1. Hoepel W. et al. (2022). Circulating multimeric immune complexes contribute to COVID-19 pathology. Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-022-33064-4
  2. Ma L. et al. (2021). Antibody-mediated complement activation in SARS-CoV-2 infection. Journal of Infectious Diseases. DOI: 10.1093/infdis/jiab210
  3. Java A. et al. (2020). The complement system in COVID-19: friend and foe. JCI Insight. DOI: 10.1172/jci.insight.140711
  4. Magro C. et al. (2020). Complement associated microvascular injury and thrombosis in COVID-19. Translational Research. DOI: 10.1016/j.trsl.2020.04.007
  5. Peluso M. et al. (2021). Markers of immune activation and inflammation in individuals with post-acute sequelae of SARS-CoV-2 infection. Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-021-27704-0
  6. Risitano A. et al. (2020). Complement as a target in COVID-19? Nature Reviews Immunology. DOI: 10.1038/s41577-020-0320-7

13. März 2026