Wenn auf der Theresienwiese die Zelte öffnen, kommen in München viele Menschen auf engem Raum zusammen. Das Oktoberfest 2026 findet vom 19. September bis zum 4. Oktober statt. Für Münchnerinnen und Münchner, Pendler aus dem Umland und Gäste gehören volle U-Bahnen, lange Abende und Begegnungen im Festzelt oft dazu. Damit entstehen auch Gelegenheiten, bei denen Atemwegserreger leichter weitergegeben werden können. [1] [11]
Vitamin C, Echinacea oder ein vermeintlicher „Immunbooster“ sollen dann häufig kurzfristig für Schutz sorgen. Doch die Immunabwehr lässt sich nicht auf Vorrat hochfahren. Wer ausreichend mit Nährstoffen versorgt ist, profitiert nicht automatisch von zusätzlichen Präparaten. Und wer auffallend häufig oder lange krank ist, braucht zunächst eine sorgfältige Einordnung der Beschwerden. [2] [3]
In der Praxis Schleicher in München steht deshalb die Frage im Mittelpunkt: Gibt es eine behandelbare Ursache für die Infektanfälligkeit, und welche Untersuchung hilft tatsächlich weiter?
Warum Vitamin C allein nicht vor Erkältungen schützt
Vitamin C ist an der normalen Funktion des Immunsystems beteiligt. Daraus folgt jedoch nicht, dass hohe zusätzliche Mengen Erkältungen verhindern. In der Allgemeinbevölkerung senkt eine regelmäßige Einnahme das Erkältungsrisiko nicht zuverlässig. Die Krankheitsdauer kann etwas kürzer ausfallen; beginnt die Einnahme erst mit den ersten Symptomen, ist ein Nutzen nicht konsistent belegt. [2]
Auch bei Echinacea und anderen als „Immunbooster“ beworbenen Produkten müssen das konkrete Präparat, die Studienlage und mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt werden. Pflanzlich bedeutet nicht automatisch geeignet oder nebenwirkungsfrei. Ein nachgewiesener Mangel ist etwas anderes als die vorsorgliche Einnahme ohne erkennbaren Bedarf. [3]
Eine gute Immunabwehr braucht abgestimmte Reaktionen
Das Immunsystem muss Krankheitserreger erkennen, angemessen reagieren und Entzündungen anschließend wieder begrenzen. Daran sind unter anderem T-Zellen, B-Zellen und natürliche Killerzellen beteiligt. Regulatorische Mechanismen gehören zu einer gesunden Abwehr: Sie helfen, überschießende Reaktionen zu verhindern.
Ein einzelner erhöhter oder erniedrigter Zellwert erklärt deshalb noch nicht, warum jemand häufig krank wird. Entscheidend sind Beschwerden, Krankheitsverlauf und die Gesamtheit der Befunde. „Mehr Aktivierung“ ist kein allgemeingültiges Behandlungsziel. [4] [5]
Wann häufige Infekte abgeklärt werden sollten
Ein Atemwegsinfekt nach mehreren Tagen mit vielen Kontakten bedeutet noch keine Immunschwäche. Auch die bloße Anzahl der Erkältungen reicht für diese Einschätzung nicht aus. Aufschlussreicher sind die Art der Infektionen, ihre Schwere, ihre Dauer und mögliche Komplikationen. [4]
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn Infektionen ungewöhnlich schwer oder langwierig verlaufen, wiederholt Lungenentzündungen auftreten, ungewöhnliche Erreger nachgewiesen werden oder sich ein anhaltend auffälliges Erkrankungsmuster zeigt. Auch eine familiär bekannte Immundefekterkrankung kann für die Einordnung wichtig sein. [4]
Anhaltende Erschöpfung nach Infekten verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Sie beweist aber keinen Immundefekt. Neben immunologischen Ursachen müssen beispielsweise Schlafprobleme, Blutarmut, bestehende Erkrankungen oder Medikamenteneffekte berücksichtigt werden.
Immunstatus: gezielt untersuchen statt alles messen
Die Diagnostik beginnt mit einem Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Welche Infektionen traten auf? Wurden Erreger nachgewiesen? Wie lange dauerten die Beschwerden? Welche Medikamente werden eingenommen? Hilfreich sind vorhandene Arztbriefe und Laborbefunde sowie eine kurze Übersicht der Erkrankungen.
Bei begründetem Verdacht auf eine Störung der Immunabwehr gehören ein Differenzialblutbild und die Bestimmung wichtiger Antikörperklassen, insbesondere IgG, IgA und IgM, zur Basisdiagnostik. Weiterführende Untersuchungen richten sich nach dem klinischen Verdacht und den bisherigen Ergebnissen. [4]
Eine Lymphozytendifferenzierung kann Zahl und Verteilung verschiedener Immunzellgruppen genauer darstellen. Dazu zählen:
- T-Helferzellen (CD4): an der Koordination von Immunreaktionen beteiligt.
- Zytotoxische T-Zellen (CD8): können unter anderem virusinfizierte Zellen erkennen und beseitigen.
- B-Zellen: aus ihnen können antikörperbildende Zellen entstehen.
- Natürliche Killerzellen (NK-Zellen): Bestandteil der angeborenen Immunabwehr.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Zellzahl und Zellfunktion. Eine übliche Zellzählung misst nicht automatisch, wie leistungsfähig diese Zellen sind. Funktionstests und Untersuchungen spezieller Untergruppen, etwa regulatorischer T-Zellen, benötigen eine konkrete Fragestellung. Sie sind kein pauschaler Vorsorgecheck vor einem Wiesnbesuch. [5]
Auch Zeitpunkt, akute Infekte und Medikamente können Laborergebnisse beeinflussen. Auffällige Werte werden deshalb im Zusammenhang beurteilt und gegebenenfalls kontrolliert. Aus einem einzelnen Laborwert lässt sich weder ein allgemeiner „Immunitätswert“ noch automatisch die passende Therapie ableiten. [5]
Mängel erkennen und gezielt behandeln
Bei wiederkehrenden Infekten oder verzögerter Erholung kann es sinnvoll sein, zusätzlich nach einem Nährstoffmangel zu suchen. Welche Werte untersucht werden, hängt unter anderem von Ernährung, Beschwerden, Vorerkrankungen und bereits bekannten Befunden ab. Ein umfangreiches Mikronährstoffpanel ist nicht für jeden Menschen erforderlich.
Ferritin, Vitamin D und Vitamin B12 richtig einordnen
Eisen und Ferritin: Ferritin liefert Hinweise auf die Eisenspeicher. Bei Entzündungen kann der Wert jedoch ansteigen und einen Eisenmangel verdecken. Deshalb wird er zusammen mit Blutbild und gegebenenfalls weiteren Eisen- und Entzündungsparametern beurteilt. Eisen sollte nicht ohne passenden Befund ergänzt werden. [6]
Vitamin D: Eine Untersuchung kann bei konkreten Risikofaktoren oder einer medizinischen Fragestellung sinnvoll sein. Bei ansonsten gesunden Erwachsenen wird ein routinemäßiges Screening ohne Indikation nicht empfohlen. Ein niedriger Messwert ist zudem nicht automatisch die Erklärung für jede Erkältung. [7]
Vitamin B12: Ein Mangel kann unter anderem Blutbildung und Nervensystem beeinträchtigen. Ein erhöhtes Risiko besteht beispielsweise bei veganer Ernährung, bestimmten Aufnahmestörungen oder unter einzelnen Medikamenten. Die Untersuchung orientiert sich am individuellen Verdacht. [8]
Ist ein Mangel nachgewiesen, werden auch seine Ursachen berücksichtigt. Art, Dosis und Dauer der Behandlung richten sich nach dem Befund. Häufig kommen Präparate zum Einnehmen infrage. Eine Infusion ist nicht allein deshalb sinnvoller, weil sie den Verdauungstrakt umgeht; sie benötigt eine eigene medizinische Begründung und eine Abwägung von Nutzen und Risiken.
Immunmodulation ist eine individuelle Therapieentscheidung
Unter Immunmodulation versteht man die gezielte Beeinflussung einer Immunreaktion. Ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Diagnose, dem konkreten Präparat und der dafür vorliegenden Evidenz ab. Verminderte Zellzahlen allein belegen nicht, dass eine Stimulation hilft.
In unserer Praxis besprechen wir mit Ihnen, welche Maßnahmen aus den Befunden folgen. Dazu können die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung, der gezielte Ausgleich eines Mangels oder bei entsprechender Indikation eine weiterführende Therapie gehören. Ein persönlicher Behandlungsplan berücksichtigt mögliche Nebenwirkungen und legt fest, wann der Verlauf kontrolliert werden soll.
Für bestimmte bakterielle Lysate bestehen Anwendungsgebiete zur Vorbeugung wiederkehrender Atemwegsinfektionen. Daraus lässt sich keine allgemeine Empfehlung für alle „Darm-“ oder „Immunpräparate“ ableiten. Nach der europäischen Bewertung sind die betroffenen Lysate nicht zur Behandlung eines bereits bestehenden Atemwegsinfekts oder zur Vorbeugung einer Lungenentzündung vorgesehen. Entscheidend bleibt die aktuelle Information zum jeweiligen Arzneimittel. [9]
Ein Versprechen, mit einer Spritzen- oder Infusionskur kurzfristig „wiesnfest“ zu werden, wäre daraus nicht abzuleiten.
Was Sie zur Wiesnzeit konkret tun können
Auch ohne Spezialdiagnostik gibt es sinnvolle Ansatzpunkte für die kommenden Wochen:
- Schlaf einplanen: Ausreichender, regelmäßiger Schlaf unterstützt die normale Immunfunktion. Lange Wiesnabende sollten nicht über mehrere Tage zu anhaltendem Schlafmangel führen. [10]
- Regelmäßig essen und alkoholfrei trinken: Abwechslungsreiche Mahlzeiten helfen, den Nährstoffbedarf zu decken. Planen Sie Wasser und alkoholfreie Alternativen ein. Alkohol ist keine Maßnahme zur Infektvorbeugung.
- Übertragungsrisiken reduzieren: Hände waschen, Innenräume lüften und bei akuter Erkrankung Kontakte reduzieren. Mit Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl gehört der Festzeltbesuch verschoben. [11]
- Impfstatus prüfen: Welche Impfungen gegen Atemwegserkrankungen empfohlen sind, hängt unter anderem von Alter und Vorerkrankungen ab. Das lässt sich anhand der aktuellen STIKO-Empfehlungen besprechen. Eine Impfung am Vortag schafft keinen sofortigen Schutz für den Wiesnauftakt. [11]
Infektionsschutz und Immunabwehr ergänzen sich
Eine gut sitzende Maske kann das Risiko der Übertragung von Atemwegserregern verringern. Das kann besonders in dicht besetzten Innenräumen, bei unvermeidbarem Kontakt trotz eigener Symptome oder zum Schutz von Menschen mit erhöhtem Risiko relevant sein. Passform und Maskentyp beeinflussen die Schutzwirkung. [12]
Dass eine Maske keine Nährstoffmängel behandelt, spricht nicht gegen ihren Nutzen. Sie reduziert die Exposition; Diagnostik und Behandlung gehen möglichen Ursachen von Beschwerden nach. Atemwegsinfektionen bewusst in Kauf zu nehmen, ist keine empfohlene Methode, das Immunsystem zu „trainieren“.
Abklärung in München-Bogenhausen
Wer im Herbst immer wieder auffällig erkrankt oder sich nach Infekten über längere Zeit nicht erholt, kann die Wiesnzeit zum Anlass nehmen, den bisherigen Verlauf ärztlich besprechen zu lassen. Eine sinnvolle Abklärung ist auch während und nach dem Oktoberfest möglich. Sie braucht je nach Fragestellung Zeit und bietet keinen garantierten Sofortschutz.
In der Praxis Schleicher in der Ismaninger Straße 65 in München-Bogenhausen klären wir mit Ihnen, welche Diagnostik bei Ihren Beschwerden angezeigt ist. Das Angebot richtet sich auch an Patientinnen und Patienten aus dem Münchner Umland. Vorhandene Befunde und eine Liste Ihrer Medikamente helfen, Doppeluntersuchungen zu vermeiden.
Sie möchten wiederkehrende Infekte oder eine anhaltend verzögerte Erholung abklären lassen? Vereinbaren Sie einen Termin zur ärztlichen Beratung. Gemeinsam besprechen wir, welche Untersuchungen sinnvoll sind und welche Behandlung sich daraus ergibt.
Termin zur Abklärung vereinbaren
Praxis Schleicher · Ismaninger Straße 65, 81675 München
Telefon: 089 4194530 · praxis@praxis-schleicher.de
Bei ausgeprägter Atemnot, Brustschmerz oder rascher Verschlechterung benötigen Sie umgehend medizinische Hilfe; warten Sie dann nicht auf einen regulären Beratungstermin.
Quellen
- [1] Landeshauptstadt München: Oktoberfest 2026
- [2] NIH: Vitamin C und Erkältungen
- [3] NIH: Nährstoffe, Supplemente und Immunfunktion
- [4] AWMF / API / DGfI: S3-Leitlinie zur Diagnostik primärer Immundefekte (189-003, 14.07.2025)
- [5] Mayo Clinic Laboratories: Immunzellzahl und Zellfunktion: [5a] Quantitative Lymphozyten-Untergruppen; [5b] T-Zell-Untergruppen; [5c] NK-Zell-Untergruppen: quantitative Bestimmung
- [6] NIH: Eisen und Ferritin
- [7] Endocrine Society: Vitamin D zur Krankheitsprävention (Leitlinie 2024)
- [8] NIH: Vitamin B12
- [9] Europäische Arzneimittel-Agentur: Arzneimittel mit bakteriellen Lysaten (Bewertung 2019)
- [10] NIH / NHLBI: Schlaf und Gesundheit
- [11] CDC: Vorbeugung von Atemwegserkrankungen
- [12] CDC: Masken und Schutz vor Atemwegsviren